„Aufbrechen zu den Menschen in der Nähe und in der Ferne, und ankommen bei Gott.“ Das Motto, das ihr für eure Sendungsfeier gewählt habt, erinnert an den Auftrag, der allen Getauften gilt. Wer getauft ist, wer gefirmt ist, der wird gesendet, der soll aufbrechen zu den Menschen, der soll immer wieder auch ankommen bei Gott. Wir alle sind dazu berufen, wir alle sind lebendige Bausteine, die die Kirche und das Reich Gottes mit aufbauen sollen.
Trotzdem feiern wir jedes Jahr auch ganz spezielle Gottsdienste, die mit Sendung und Beauftragung zu tun haben. Eher selten wird in unserer Diözese ein Bischof geweiht, aber Diakonen- und Priesterweihen gibt es Gott sei Dank jedes Jahr, Religionslehrerinnen und -lehrer werden im Auftrag der Kirche für ihren Dienst gesendet und heute seid ihr es, liebe Pastoralassistentinnen, lieber Pastoralassistent!
Das ist ein sichtbares Zeichen für die geistlichen Früchte, die in unserer Diözese wachsen und über die wir uns freuen dürfen. Alle Charismen, die in verschiedenen Ämtern und Diensten haupt- und ehrenamtlicher Art wirksam sind, sollen einander ergänzen und zusammenwirken. So wächst der Bau und wird zusammengehalten auf dem Fundament und Eckstein, der Christus selber ist.
Der Auftrag, den ihr heute übernehmt, ist mehr als ein rechtlicher Kontrakt mit Ernennungsdekret. Er hat mit eurer Berufung zu tun und damit auch mit dem Sinn in eurem Leben. Die Sendung heute ist biblisch gesehen so, dass Jesus Christus euch sendet und in den Dienst nimmt. In den Dienst der Kirche, den Dienst für die Menschen und in den Dienst in seiner Nähe in der Freundschaft mit dem Herrn.
Drei Wünsche für euren Dienst:
Den ersten Wunsch finde ich in der Lesung. Paulus schreibt an die Gemeinde Ephesus von den Fernen und den Nahen. Von den Fernen, die kein Wohnrecht haben und den Nahen, die Bürgerrecht haben im Tempel, im Haus Gottes. Er spricht einen Konflikt an, der für die junge Kirche zur Zerreißprobe geworden ist. Es war der Konflikt zwischen den sogenannten „nahen Judenchristen“ und den „fernen Heidenchristen“. Paulus sagt das deutlich: diese Kluft, diesen Riss gibt es nicht mehr. Denn durch die Taufe hat Christus alle miteinander versöhnt, er ist unser Friede.
Aufbrechen zu den Nahen und den Fernen – das nehmt ihr euch für euren Dienst vor. Zu den sogenannten „praktizierenden Christen“ und den sogenannten „Fernstehenden“ werdet ihr heute gesendet, zu kirchlich sozialisierten und auch zu Menschen, denen die Kirche fernsteht und fremd ist. Nahe und Ferne gibt es überall: in Pfarren und Krankenhäusern, in Schulen, Kinder- und Jugendgruppen und auch im sozial-caritativen Einsatz.
Ich wünsche euch, dass es euch gelingt, die Menschen nicht in Ferne und Nahe einzuteilen. Denn das wusste schon der große Bischof Augustinus: manche bilden sich ein, dass sie drinnen sind in der Kirche, ganz nahe. Aber in Wahrheit sind sie draußen. Und dann gibt es andere, die befürchten, dass sie draußen sind aber in Wahrheit sind sie drinnen, ganz nahe am Evangelium, ganz nahe an Jesus Christus. Ich wünsche euch, dass es gelingt ganz offen auf alle Menschen zuzugehen, denen ihr begegnet in eurer Arbeit, in euren Einsatzorten. Bringt allen das Evangelium und die Freundschaft mit Jesus Christus als Angebot und als Einladung.
Den zweiten Wunsch finde ich im Tagesevangelium. Jesus ermahnt uns zur Wachsamkeit. Wir sollen aufmerksam und wachsam sein. Die Hüften gegürtet, das bedeutet: das bodenlange Gewand, das zur Zeit Jesu üblich war, soll geschürzt sein, um jederzeit aufspringen und losgehen zu können, ohne zu stolpern und hinzufallen. Unsere Lampen sollen brennen – damit ist vermutlich nicht nur die Taschenlampe gegen die Dunkelheit gemeint. Die brennende Lampe ist vielmehr ein Symbol für das Licht des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, das wir ausstrahlen sollen.
Viele Soziologen meinen, dass die kollektive Müdigkeit und Erschöpfung ein Kennzeichen unserer Zeit ist. Sie macht sich nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Kirche breit. Viele Menschen sind überfordert und ratlos, geistig und spirituell müde und erschöpft. Toni Berger, der legendäre Wiener Bischofsvikar hat das Wort von den „katholischen Schlaftabletten“ geprägt, von denen es leider viel zu viele gibt. Er meinte damit, dass die Kirche oft die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkennt, Entscheidungen verschläft und hinten nach ist.
Ich wünsche euch, dass ihr nicht zu den katholischen Schlaftabletten gehört, sondern hellwache und aufgeweckte Christinnen und Christen seid. Verschlaft nicht die Zeit! Seid Menschen des Aufbruchs, verpasst keine Gelegenheit, um Gutes zu tun und euren Auftrag zu erfüllen. Denkt immer daran: Jesus preist alle selig, die wach sind!
Und damit komme ich zu einem letzten Wunsch für euch und euren Dienst. Wer immer wieder aufbrechen will zu den Fernen und Nahen, wer sich in den Dienst der Kirche stellt und wach bleiben will, muss immer wieder ankommen bei Gott. Natürlich kommen wir bei Gott an, wenn wir auf die Menschen zugehen, in unseren Schwestern und Brüdern begegnet uns Jesus Christus. Aber dieses Ankommen bei Gott braucht darüber hinaus auch ganz spezielle Berührungspunkte. Aufbrechen und Ankommen das sind die beiden Brennpunkte in eurem Dienst.
Ja, heute ist eure Sendungsfeier, heute heißt es: Geht hinaus, geht zu den Menschen, leuchtet und bringt das Licht des Evangeliums zu den Fernen und den Nahen. Diese Sendung könnt ihr aber nicht aus eigener Kraft leben. Gelebte Sendung braucht betende Menschen.
Ich wünsche euch, dass es im Alltag gelingt, euer inneres Feuer zu hüten, damit es nicht zu einem spirituellen Burnout kommt. Dass ihr euch regelmäßig Zeit für Stille und Gebet nehmt, auf Gottes Wort hört und aus den Sakramenten Kraft schöpft.
Versteht eure heutige Sendung in dieser doppelten Hinsicht: ihr werdet gesendet zum Aufbrechen und Ankommen, zum Dienst an den Menschen und zur Freundschaft mit Jesus Christus.